Ein Schauspiel?!

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Was ist DIR dein Glaube wirklich wert?

Jan Hus, Thomas Cranmer & das Schauspiel unseres Lebens


Thomas Lange

wikipedia.orgBeim Begriff Schauspiel denken wir vielleicht an Hollywood-Filme, Theater-Aufführungen oder mehr oder weniger mittelmäßige Wildweststreifen. Dabei geht es meistens um etwas Unwahres und Erdachtes.

Doch erstaunlicher Weise wird der Begriff auch verwendet, um den Sohn Gottes und seine Anhänger zu beschreiben, wie sie inmitten der gefallenen Welt als Fremdkörper angesehen und auch so behandelt werden.

Der Hauptdarsteller

Jesus, der Sohn Gottes, wurde in einem Schauprozess an den Pranger gestellt und verurteilt. Die Menge grölte, als sie ihn nach der Geißelung und der Folter durch die Soldaten blutüberströmt neben Pilatus stehen sahen. Die schreiende Menge trieb ihn durch die Straßen von Jerusalem. Ein Folterinstrument trug er selbst. An der Hinrichtungsstätte angekommen wurden seine Hände und Füße von dicken und rauen Eisennägeln durchschlagen. Unvorstellbar muss der Schmerz gewesen sein.

Die Menschen höhnten und lachten, spotteten und lästerten. Sie wähnten sich als Zuschauer.

Denn es heißt, sie waren „zu diesem Schauspiel zusammen gekommen“ (Lk 23,48).

Die Nebendarsteller – in der Arena

Jahre später mahnt Paulus in seinem ersten Brief an Korinth, dass der gläubige Christ nicht im Status der Selbstzufriedenheit erstarren darf, sondern die Wirklichkeit vor Augen haben muss. Die Realität des Christenlebens zeichnet das Bild einer Arena: „ … denn wir sind der Welt ein Schauspiel geworden“ (1.Kor 4,9). Eine Aufführung, die von Zuschauern umringt, oft mit dem Tod endete. Die Szenen sind geprägt von Stationen die da heißen: Hunger, Durst, Nacktheit, Schläge, Mühen, Arbeit, Schmähungen, Verfolgungen, Auskehricht und Abschaum sein (1.Kor 4,11-13). All das und vieles mehr lässt erahnen, wie mühselig der schmale Pfad dem Christus nach sein kann.

Weitere Jahre später ermutigt der unbekannte Schreiber des Hebräerbriefes die Judenchristen in ihren schwierigen Umständen standhaft zu bleiben. Dabei lässt er die Vergangenheit Revue passieren und erinnert an die entbehrungsreichen Stunden des „Leidenskampfes“ (Heb 10,32) und dass sie darin viel „erduldet“ haben.

Auch sie wurden „durch Schmähungen und Bedrängnisse zur Schau gestellt“ (Heb 10,33).

Für „Schau“ (griech. theatrizo) kann man auch „Theater“ wiedergeben, in welchem wiederum etliche Zuschauer sitzen und sich amüsieren.

Die Nebendarsteller – unter Anklage

In John Bunyans Pilgerreise sieht man Herrn Getreu ebenfalls vor einem Schaugericht stehen. Es wird gelogen, betrogen und manipuliert. Falsche Zeugen geben ihren Beitrag, um das Todesurteil zu fällen. Am Ende steht Herr Getreu, wie sein Name verrät, treu zu Jesus Christus und wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Als Jan Hus nicht bereit war, die Wahrheit zu verleugnen, befand er sich genau in solch einer Situation mit exakt dem gleichen Ausgang. Der Scheiterhaufen wurde vorbereitet und auf dem Konzil zu Konstanz wurde Hus verbrannt. Das ist nun 600 Jahre her. Bevor er starb, sagte er in Anlehnung an seinen Namen (Hus bedeutet Gans): „Heute verbrennt ihr eine Gans, aber in hundert Jahren werdet ihr einen Schwan singen hören, den ihr nicht verbrennen könnt. Den werdet ihr anhören müssen.“1

Dieser Schwan war zweifelsfrei Martin Luther! Auch er wurde verfolgt und in Worms vor ein Schaugericht gestellt. Dort sollte er den Inhalt seiner Schriften, besonders die aus Sicht der katholischen Kirche ketzerischen Inhalte, widerrufen. Doch umringt von Zuschauern und Anklägern, Spöttern und Zechern weigerte er sich, hielt standhaft aus und wurde verurteilt.

Am 14. Februar 1556 wurde der englische Reformator Thomas Cranmer – infolge der Inthronisierung der römisch-katholischen Maria I. – degradiert und von seinen Ämtern enthoben. Angesichts der drohenden Todesstrafe durch Verbrennung verleugnete er die reformierten Lehren Luthers und Zwinglis und schwor der römischen-katholischen Kirche und dem Papst die Treue, um sein Leben zu retten. Nach dem Gesetz war er nun freigesprochen, doch Maria I. beschloss an ihm ein Exempel zu statuieren und dass es für ihn keine Gnade geben sollte. Bei seiner letzten Predigt an seinem Todestag am 21. März 1556 zog er seine »Verleugnung« zurück und bestätigte, dass er den Papst und die Irrlehren der katholischen Kirche ablehnte. Auf dem Scheiterhaufen waren seine letzten Worte – während die Flammen lodernd um sich schlugen – »Herr Jesus, empfange meinen Geist […] ich sehe die Himmel geöffnet und Jesus zur Rechten Hand Gottes.«“2

Knapp 500 Jahre später weht der raue Wind der Christenverfolgung noch immer. Nie zuvor starben mehr Menschen wegen ihres Glaubens an Christus, wie im zwanzigsten Jahrhundert. Die Zeit hat sich geändert, doch das Schaupiel ist noch nicht zu Ende. Die blutigen „Theater-Aufführungen“ gehen in die nächste Runde.

John Piper zitiert in seinem Buch „Schmeckt und seht“ Don Cormack, der ein Buch über die verfolgte kambodschanische Kirche verfasste, folgendes:

„Im Dorf Siem Riep in Kambodscha wusste der christliche Lehrer Haim, dass die jungen, schwarz gekleideten Soldaten der Roten Khmer, die gerade über das Feld kamen, dieses Mal seinetwegen kamen … Haim war entschlossen, wenn er an der Reihe war, mit Würde und ohne Klagen zu sterben. Welcher Kambodschaner hatte seit der ´Befreiung´ am 17. April 1975 nicht über diesen Tag nachgedacht? … Haims ganze Familie war an diesem Nachmittag zusammengetrieben worden. Sie gehörten zum ´Ungeziefer´(!), zum ´schlechten Blut´(!), zu den ´Feinden unserer glorreichen Revolution´(!), zu den ´CIA-Agenten´(!). Sie waren Christen.

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