Ehe – Die Ikone Gottes in der Welt

Ehe – Die Ikone Gottes in der Welt

Christl R. Vonholdt

Erst im Angesicht des anderen erkennen wir uns. – Über Mann und Frau, Menschsein und die Friedenschance der Ehe. Ein biblisch-anthropologischer Versuch.

Wir wissen nicht mehr, wer oder was der Mensch ist. Menschenbilder gibt es heute viele. Die Wissenschaft kann uns keine Orientierung geben, sie setzt Orientierung voraus. Doch wo können wir noch Orientierung finden? Vielleicht kann es helfen, entlang der biblischen Schöpfungsgeschichten vom Menschen (Genesis 1 und 2) auf Spurensuche zu gehen mit der Frage, was die Bibel über den Menschen sagt, insbesondere über den Menschen in seiner Geschlechtlichkeit, also über den Menschen, so wie er konkret vorkommt: als Mann und als Frau.
In Psalm 8 heißt es: „Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?“ In der Bibel ist der Mensch kein Individuum, autonom oder in sich selbst ruhend. Der Mensch ist vielmehr ein Bedürftiger, ein Beziehungs-Bedürftiger. Er und sie bedürfen – zeitlebens -, daß man ihrer gedenkt und sich ihrer liebend annimmt. Es gibt kein Menschsein ohne Gemeinschaft. In der Bibel meint das immer auch die Gemeinschaft der Generationen und die Gemeinschaft der Geschlechter, die Gemeinschaft von Mann und Frau.

Die Schöpfungsgeschichte des Menschen in Genesis 1,1-2,4

Das erste Kapitel der Bibel ist sprachlich in großer Klarheit strukturiert und geordnet, vergleichbar mit einem Lied, dessen Strophen aufeinander aufbauen – und weist schon rein sprachlich auf eine kosmische Ordnung hin.
Am 6. Tage erschafft Gott die großen Tiere und den Menschen. Obwohl Gott an diesem Tage beide erschafft, weist die Schöpfungsgeschichte des Menschen Besonderheiten gegenüber der Erschaffung der Tiere auf, die auf eine einmalige Stellung des Menschen in der Welt hinweisen.
In Genesis 1 wird allein der Mensch geschaffen ohne irgendeinen Hinweis auf einen natürlichen Kontext oder Materie. Bei den Tieren sind es die Wasser, die von Fischen wimmeln, die Tiere des Feldes kommen vor, die Erde, die Feste des Himmels, das Meer – lauter Hinweise auf einen natürlichen Kontext. Beim Menschen fehlt das völlig. Er besitzt eine einzigartige Entbundenheit vom Biotop, von seinem Lebensraum, die die sogenannten freien und wilden Tiere so nicht haben. Nur der Mensch kann sowohl am Äquator wie in Alaska leben.1
Auch die häufig wiederholte Einteilung bei den Tieren, „jedes nach seiner Art“ (sowohl in Genesis 1 wie auch in 2), kommt beim Bericht von der Erschaffung des Menschen nicht vor. Es gibt nur den einen Menschen. Das ist eine Absage an jegliche Form des Rassismus!

Und nur für den Menschen, nicht für irgendeines der Tiere, wird ausdrücklich die Geschlechtszugehörigkeit angegeben als „männlich und weiblich“. Dieser besondere Hinweis auf die Geschlechtlichkeit des Menschen als Mann und Frau (V 27), hat vom Textzusammenhang her nichts zu tun mit der Fortpflanzung (auch die Tiere pflanzen sich fort), sondern mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Die Fortpflanzung kommt erst später, in Vers 28, durch einen besonderen Segen Gottes hinzu. Unsere Geschlechtlichkeit ist selbstwerthaft und hat zu tun mit dem Bild Gottes.

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