Der Theologieprofessor und die Predigt, die nie gehalten wurde.

Der bekannte und viel bewunderte Professor einer bestimmten Hochschule saß in seinem Studierzimmer. Auf seinem Schreibtisch lagen zahlreiche Nachschlagewerke, doch ein Buch fehlte: die Bibel. Er bereitete gerade eine Predigt für den kommenden Sonntag vor. Er war gebeten worden, in der Universitätskirche zu predigen. Er wusste, dass er vor einem großen Publikum sprechen würde. Der Dekan und die Fakultät der Universität würden da sein, ebenso hunderte Studenten. Alle führenden Geschäftsläute der Stadt würden ihm zuhören. Die feine Gesellschaft nahm am Morgengottesdienst der prachtvollen Kirche teil, der für sein ausgewähltes Musikprogramm bekannt war. Er würde sein Bestes geben müssen. Es ging um seinen Ruf, das wusste er. Einige seiner Kollegen, die vor ihm gepredigt hatten, waren massiv kritisiert worden. Er musste alle ihre Fehler vermeiden. Er musste etwas Einmaliges entwerfen, etwas Modernes.

Er hatte den Kopf in die Hände gestützt und murmelte von Zeit zu Zeit vor sich hin. Plötzlich rief er: „Ich hab’s.“ Dann nahm er ein Blatt Papier und schrieb darauf: „Die neue Auffassung.“ – „Das wird mein Thema sein“, sagte er zu sich selbst: „Die neue Auffassung.“

Vor zwei Sonntagen hatte ein Prediger auf der Kanzel gestanden, der den Ruf hatte, dass er zum sogenannten Fundamentalismus neigte, und einige seiner Aussagen waren verhöhnt worden, während die jungen Leute ihn selbst einen „alten Kauz“ nannten. Durch eine Predigt über „Die neue Auffassung“ erhoffte sich der Professor die Chance einige Argumente dieses Predigers zu entkräften. Er wusste, dass das Publikum dies sehr begrüßen würde.

Nun war es an der Zeit, einen Entwurf zu machen. Doch er benötigte dazu eine Bibelstelle. Es war üblich, als Grundlage des sonntäglichen Morgengottesdienstes wenigstens einen Bibelvers zu benutzen. Welchen sollte er nehmen? Schließlich wählte er Apostelgeschichte 17,19: „Und sie ergriffen ihn, führten ihn zum Areopag und sagten: Können wir erfahren, was diese neue Lehre ist, von der du redest?“

Weiterlesen & Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*

Sicherheitsabfrage *